LVBB-NRW

Landesverband Bergbaubetroffener NRW e.V.

[26.9.2017] Der LVBB war zur Premiere der WDR Dokumentation (des Bergbau-Jubel-Filmes) "Der lange Abschied von der Kohle" eingeladen. Unsere Einschätzung deckt sich sicher nicht mit der der Kohlefreunde:

Die WDR-Film-Dokumentation hielt alles, was man von ihr als überzeugter RAG-Beschäftigter erwarten musste:

  • Beeindruckende Bilder vom aktuellen Abbau unter Tage;
  • "Balsam" für die Seele der Kumpels durch das zur-Sprache-bringen (viele einzelne Beispiele) des Verlustes dieser beeindruckenden Arbeit der Menschen unter Tage;
  • das "rein" politisch motivierte Ende der Kohleförderung;
  • die enge Verbindung von Kohle & Fussball (Schalke04 u. Borusssia Dortmund als "Leuchttürme" dieser Verbindung) im Ruhrgebiet;
  • die enge Verbindung von Bergbau, Bergleuten und Kirchen;
  • das Projekt "Glückauf Zukunft" (Transformation der Zechenbrachen in neue Nutzungen..) für die geschlossenen Zechenstandorte.. zuletzt Bottrop u. Ibbenbüren

aber keine wirkliche Thematisierung der mit dem Kohleabbau einhergehenden gravierenden Veränderungen u. Schäden an den Gebäuden, den Kanalsystemen, Straßen, der Landschaft, den Gewässersystemen.. den Giftstoffen unter-Tage und auf den Halden, der Jahre langen Beeinträchtigungen von Menschen durch Erschütterungen bis hin zu Erdbeben, der Konzernmacht gegenüber dem einzelnen bei der Regulierung der Schäden usw.
 
Ein Dokumentarfilm hätte aber auch Letzteres zeigen müssen!

[26.9.2017] Im Feburar hat der Landtag endgültig die Beauftragung eines Gutachtens zu den Ewigkeitskosten der Braunkohle abgelehnt. Der Antrag der Piratenfraktion (Drs. 16/12842) wurde von allen anderen Fraktionen, teilweise wegen der Koalitionsräson, zurückgewiesen. Der BUND NRW hatte zwar in der Anhörung eine sehr kritische Stellungnahme abgeliefert, RWE und andere hatten aber alles für wunderbar geregelt erklärt. Dem schlossen sich die meisten Abgeordneten im Landtag an, verkennend, dass es bei dem Antrag der PIRATEN zunächst nur um die Klärung der Frage ging, ob womögich wie bei der Steinkohle die Folgekosten der Kohlegewinnung beim Steuerzahler landen können. Die parlamentarische Beratung kann man hier in den Einzelheiten nachlesen.

Jetzt hat RWE drei von ihr selbst in Auftrag gegebene Gutachten veröffentlicht. Danach sind die eingestellten Rücklagen von gut 2 Milliarden Euro ausreichend für die Kosten bzgl. Wiedernutzbarmachung, Umsiedlung und Bergschäden. Ausgeblendet wird das Problem, dass die nach dem BBergG vorgeschreibene Wiederherstellung der Oberfläche beim Braunkohletagebau grundsätzlich nicht vollständig erfolgt. Eine Wiedernutzbarmachung ist nur dann möglich solange der Abbau läuft und Abraum anfällt, der dann am anderen Ende des Tagebaus aufgeschüttet werden kann. Offensichtlich ist, dass die Fehlmengen täglich größer werden, da immer mehr Masse in Form der Braunkohle entnommen wird. Das überbleibende Loch wird dadurch immer größer und soll mit Wasser gefüllt werden. So werden riesige "Restseen" mit unabsehbaren Folgen für das lokale Klima entstehen. (Bekanntlich sind im Herbst die Nebel in der Bodenseeregion besonders stark, weil der noch erwärmte See besonders viel Feuchtigkeit abgibt. Die Restseen werden vergleichbare Größen haben.) Wie diese ökologsichen Folgen finanziell bewertet und daher bei der RAG festgemacht werden können, ist eine schwierige Frage. Offensichtlich sind es aber Ewigkeitskosten!

Die Gutachten sind über die Website der BR abrufbar.

Zur Erinnerung: Für die Ewigkeitskosten der Steinkohle ist die RAG-Stiftung eingerichtet worden. Wenn deren Mittel nicht ausreichen sollten, muss der Steuerzahler in Form der Bundesrepublik und des Landes NRW eintreten.

[22.9.2017] Es gibt immer noch einige Zeitgenossen, die der Meinung sind, dass die Probleme mit dem Bergbau doch bald zu Ende seien und die Bürgerinitiativen eigentlich bald nichts mehr zu tun hätten.

Leider ist dem nicht so, wie zunehmend Anrufe von Bürgerinnen und Bürgern aus Gebieten mit Altbergau zeigen. Jetzt ist auch wieder ein aktueller Fall aus dem Altbergbau in der Aachener Zeitung aufgegriffen worden. Vollkommen unaktzeptabel ist einerseits, dass sich keiner mehr für die Folgen der alten Schächte zustänidg fühlt und auch sowieso schon nicht irgendeine Stadtverwaltung für die fehlende Aufklärung seiner möglichen Neubürger die Verantwortung übernehmen will.

Im genannten Fall aus Aachen ging es darum, dass eine eingeplante Erweiterung auf einem Brachland nicht genehmigt wurde, weil unter dem Gelände Altbergbau umgegangen war. Näheres in dem Artikel der Aachener Zeitung.

Bei aller Kritik bleibt anzuerkennen, dass die Bezirksregierung Arnsberg eine eigene Abteilung für Altbergbau eingerichtet hat und jedes Jahr einige Millionen für die Verfüllung von alten Bergbauschächten ausgibt.

Ganz wichtig ist auch ein Blick auf die Website "Gefahrenpotential des Untergrundes" des geologischen Dienstes in NRW, wo man schon einmal grob die Einflüsse auf die Erdoberfläche erkennen kann. Im Bedarfsfalle kann ein (potentieller) Eigentümer auch grundstücksscharf Auskünfte erhalten.

[11.9.2017] Die Vorstandssprecher Klaus Wagner und Ulrich Behrens besuchten die kürzlich zum LVBB beigetretene Bürgerinitiative in Epe (Gronau). Sie konnten sich vor Ort über das Desaster des Ölunfalls von 2014 informieren, bei dem einige Tausend Tonnen Öl aus einer unterirdischen Kavaerne austraten. Wie bekannt hatte die BR Arnsberg als Bergbehörde die Gefahren ignoriert, die sich aus dem Druckabfall im Februar 2014 erschließen ließen. Eine Woche nach der Freigabe des normalen Betriebes kam es dann zu dem unsäglichen Ölaustritt. Der Landwirt S. musste daraufhin seinen Hof aufgeben und wurde umgesiedelt. Ein großes Areal musste von der Öl-verseuchten Erde befreit werden. Trotzdem tritt immer noch  weiter Öl aus.

H. Peerevort, K. Wagner und U. Behrens (von rechts)

Am Abend waren die Vertreter des LVBB Gast auf einer Bürgerversammlung, auf der über die Probleme mit den Bergschäden durch die Öl- und Gaskavernen aufgeklärt wurde. Große Einigkeit herrschte darüber, dass der lokale Unternehmer, die Salzgewinnungsgesellschaft (SGB), endlich die Meinung akzeptieren muss, dass durch seine Tätigkeit Schäden an der Oberfläche entstehen können. Ähnlich wie früher am Niederrhein über Jahrzehnt behauptet wurde, verweigert die SGB schon die theoretische Möglichkeit, dass durch das Absenken der Oberfläche Bergschäden entstehen können.

Thema des Abends war auch die Gründung eines Vereins. Hier fand sich eine breite Zustimmung. Die Aktivisten um Holger Peerevort wollen in naher Zukunft die erforderlichen Schritte dazu einleiten.

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