LVBB-NRW

Landesverband Bergbaubetroffener NRW e.V.

Presse - allgemein

Kapitel 21 Zusammenfassende Schlussfolgerungen

  •  Die bisher bei Bergschäden praktizierten Bodenuntersuchungen durch Ingenieurbüros mit Bohrungen, Rammsondierungen und Rammkern-sondierungen entsprechen schon seit langem nicht mehr einem modernen Stand von Wissenschaft und Technik.
  • Die punkt- bzw. bleistiftförmigen Aufschlüsse ergeben Daten genau an diesem Punkt bzw. entlang dieses Bleistifts, aber sie sehen nicht, was 1 m oder weniger genau daneben los ist, schon gar nicht, was bei einem Abstand der Sondierungen von häufig 20 - 30 m in einem größeren Volumen dazwischen geologisch und bodenmechanisch gegeben ist.
  • In geotechnischen Gutachten werden Schichtinformationen dann über diese größeren Strecken interpoliert, wobei ein kritischer Bereich dazwischen vom Gutachter ignoriert wird. Bekannt geworden ist das Beispiel beim Bau der Würzburger Fachhochschule, als man während des Baus bei Gründungs-arbeiten plötzlich feststellte, dass das werdende Gebäude direkt auf einer markanten geologischen Störungszone gebaut wurde. Mehrkosten laut Zeitungsberichten 1 Mill. Euro für komplett neue statische Berücksichtigung. Der Leiter des verantwortlichen staatlichen Bauamtes rechtfertigte den riesigen Mehraufwand mit dem Umstand, dass beim Baugrund-Bohren des Ingenieurbüros mit 40 m Bohrabstand diese geologische Störungszone leider durch das Bohrraster gefallen sei und die Mehrkosten unvermeidlich gewesen seien.
  • Fehlinterpretationen von geologischen Gegebenheiten im Untergrund wegen Fehlplanungen von Ingenieurbüros durch den Verlass auf weitabständige Bohrungen und Sondierungen mit zum Teil ganz erheblichen Mehrkosten (nicht immer gerade 1 Mill. Euro) sind Legende, ohne dass daraus Lehren gezogen werden.
  • Messungen der Geophysik mit dem breiten Spektrum an Messverfahren, die dem jeweiligen Projekt schlüssig angepasst werden können, sollten zwingend vor allen Bohr- und Sondierungsvorhaben durchgeführt werden.
  • Geophysikalische Messungen erfassen Untergrund-Parameter zerstörungs-frei und kontinuierlich, wenn gewünscht z.B. beim Bodenradar im 3 cm-Abstand. Da fällt nichts durch ein Raster, wenn sinnvoll geplant und im Gelände durchgeführt.
  • Sie können bei starken lateralen Schwankungen der Untergrundverhältnisse durch eine vielfach gegebene Volumen-Integration mittlere interessierende Größen liefern, währen bei Bohrungen und Sondierungen je nach Ansatz schon alle paar Meter was komplett Anderes angetroffen wird.
  • Geophysikalische Messungen sind kostengünstig, wobei Bohrungen und Geophysik nicht gegeneinander aufgerechnet werden dürfen, weil der jeweilige methodische Ansatz ein völlig anderer ist. Was sich aber grundsätzlich unabhängig von der kontinuierlichen Detailgenauigkeit rechnet, ist, häufig hohe Bohrkosten stark zu reduzieren, wenn man nach der Geophysik den Bohrumfang stark reduzieren kann und darüber hinaus die Bohrungen dort platziert, wo es nach der Geophysik Sinn macht und man nicht unkontrolliert IRGENDWO bohrt und sich mit einem Stand auf einer unerkannten geologischen Singularität befindet.
  • Kein Mensch aus der Erdölindustrie und der tiefen Geothermie käme auf die Idee, ohne vorbereitende intensive Geophysik eine Bohrung abzuteufen. Im Kleinen und bei Bergschäden tun die Ingenieurbüros und ihre Auftraggeber genau das: irgendwo im großen Abstand die Rammkernsondierungen und Bohrungen hinsetzen.
  • Genauso im Argen liegt die Platzierung von Grundwassermessstellen mit demselben Dilemma, dass sie in aller Regel irgendwo hingesetzt werden (wo das Bohrgerät gut hinkommt), aber nicht zuvor mit der Geophysik geklärt wird, ob die Messstelle nicht auf einer geologischen Singularität steht und alle daraus gewonnen Daten Makulatur sein können.
  • der Schwerpunkt dieser Ausführungen liegt bei der Anwendung des Bodenradar bei Bergschäden. Das hat seinen Grund darin, dass es mit neuesten, hochleistungsfähigen Geräten und Auswerteprozeduren das im Gelände hochauflösende, kostengünstig zu operierende und an die Problematik bestangepasste Verfahren sein dürfte.
  • In Fällen, wo auch andere geologische Parameter der Gesteinsfazies und struktureller Gegebenheiten wichtig sein können, sind professionell durchgeführte Messungen der Oberflächen-Seismik, seit einiger Zeit erfolgreich auch mit der Scherwellenseismik, in Betracht zu ziehen. Korrekte Durchführung seismischer Messungen mit einem adäquat leistungsfähigen Equipment, sowie ein Datenprozessing mit Auswertung und Interpretation gerade im meist oberflächennahen Bereich der Bergschäden erfordert fachlich versierte Anwender.

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