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Landesverband Bergbaubetroffener NRW e.V.

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Kapitel 8 Gute und schlechte Bodenradar-Signale - Die Qualität der Messergebisse

Sieht man von der logischen Schlussfolgerung ab, dass schlechte Geländearbeiten und schlechtes Datenprocessing in aller Regel auch schlechte Qualität der Ergebnisse zeitigen, hängt die Qualität und Aussagekraft natürlich von den Boden- und Gesteinsverhältnissen ab, was für alle Messungen in der Geophysik gilt. Gesteine kann ich nur unterscheiden, wenn sie sich hinreichend in ihren petrophysikalischen Parametern unterscheiden. In der Gravimetrie ist es die Dichte der Gesteine, in der Geoelektrik der spezifische Widerstand und in der Seismik sind es Dichte und Schallgeschwindigkeit. Beim Bodenradar als analoges Laufzeitverfahren zur Seismik ist dieser Parameter die Dielektrizitätszahl der Gesteine, meist mit dem Buchstaben bezeichnet. Sie ist für das Bodenradar insofern besonders wichtig, weil sie für Wasser den abnormalen hohen Wert von 81 besitzt, was ganz grob eine Größenordnung höher ist als das von Gesteinen. Das Grundwasser in den Gesteinen unter dem Grundwasserspiegel, in der vadosen Zone und im Kapillarsaum im Zusammenspiel mit der Korngröße spielen deshalb eine enorm wichtige Rolle bei der Beurteilung von Erfolg oder Misserfolg der Messungen, wenn die eingangs erwähnten praktischen Belange der Feld- und Auswertetechnik ausgeklammert werden. Kalkulierbare Gesetzmäßigkeiten gibt es wegen des meist sehr komplexen Aufbaus von Gesteinsmatrix und Porenfüllung nicht; pauschal zeigt die folgende Abbildung, wo z.B. gute Radar-Reflexionen aus dem Untergrund zu erwarten sind. In kaum einem anderen Gebiet der Geophysik-Messungen gilt der Satz zutreffender als beim Bodenradar: Probieren geht über Studieren. Mit anderen Worten: Vor größeren Messprojekten ist es fast immer sinnvoll, kurze Testmessungen zu praktizieren, um zu vermeiden, dass dem Auftraggeber am Ende der Messungen Bericht und große Rechnung übereicht werden mit dem Hinweis, dass die Untergrundverhältnisse leider keine aussagekräftigen Resultate erbracht haben, oder was dazu verleitet, Auswertungen und Interpretation vorzulegen, die das Radar aber gar nicht erbracht hat.
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Abb. 9. Gute Radar-Reflexionen an Schichtgrenzen mit stark wechselnder Lithologie oder mit stark wechselndem Wassergehalt.

Feucht und trocken, luftgefüllt - die Grenzflächenwellen (Stoneley-Wellen bzw. Scholte-Wellen) beim Bodenradar werden im nächsten Abschnitt erläutert.

 

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